Goju-Ryu Karate Do

 

Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage - der wahre Karate-Kämpfer erstrebt die Vervollkommnung seines Charakters.

 

Gichin Funakoshi

 

Das erste, was ein Karateka lernen muß, sind Stellungen, die unbequem sind, deren Sinn man zunächst nicht einsieht.

Dann kommt das langweilige Lernen der einzelnen Techniken im Kihon, der Grundschule.

Diese Zeit ist sehr hart. Man muß sich dauernd überwinden, sich konzentrieren, mit Verstand an die Techniken herangehen, sie ausdauernd und selbstkritisch üben.

Schon das allein ist eine harte Schule für den Einzelnen.

Sie fördert und entwickelt Konzentration, Durchdenken, Willen und Selbstkontrolle - alles Eigenschaften, die uns im alltäglichen Leben von Nutzen sind.

 


Karate ist Lebensschule

 


Goju-Ryu

Gōjū-Ryū (dt. „harter und weicher Stil“) ist ein Karate-Stil mit lang zurückreichender Tradition, der besonders viele Elemente des ursprünglichen chinesischen Boxens des 17. bis 19. Jahrhunderts enthält. Der Name Gōjū-Ryū wurde von Chōjun Miyagi (1888–1953) gewählt. Miyagi bezog sich bei der Auswahl des Stilnamens auf das lange Zeit geheim gehaltene Bubishi, in dem eine der „Acht Regeln des Faustkampfes da lautet: „Alles im Universum atmet hart und weich“

Geschichte

Im Bugei Ryūha Daijiten, der Enzyklopädie der Kriegskunststile von Kyoshi Watatani und Yamada Tadashi (Tokio, 1978) wird Gōjū-Ryū unter anderem wie folgt charakterisiert:

Das bedeutet: (Gōjū-Ryū wird) „Auch Koshiki no Waza genannt.“ Koshiki no Waza sind „antike Techniken“, „Techniken der alten Schule“, oder „antike Riten“. Dementsprechend handelt es sich beim Gōjū-Ryū um die Überlieferung traditioneller Kampfmethoden.

Gōjū-Ryū Karate entwickelte sich aus der Erforschung und Systematisierung effektiver unbewaffneter Kampfbewegungen auf Okinawa. Die Entwicklung des Gōjū-Ryū Karate ist mit der Geschichte von China, Ryūkyū und Japan verbunden.

Ryūkyū


Ryūkyū-Königreiche in der Sanzan-Zeit

In der Zeit der Drei Königreiche (Sanzan Jidai) kämpften drei Feudalfürsten (Anji) um die Macht in Okinawa, wobei die üblichen militärischen Mittel, Maßnahmen, Taktiken und Strategien zum Einsatz kamen, also Waffengebrauch, Reiten, Befestigungsbau usw. Während es in Okinawas Frühzeit entsprechend militärische Auseinandersetzungen gab, wurde 1429 ein Verbot des Waffenbesitzes für die gesamte Bevölkerung verhängt. Der Waffenbesitz wurde mittels staatlicher Bevorratung gesteuert und durch harte Strafen sanktioniert.

Als handelsstrategischer Partner des damals in Asien kulturell herrschenden chinesischen Reiches kam Okinawa über die maritimen Handelsrouten mit zahlreichen Ländern Asiens in Kontakt. Im 15. Jahrhundert entsandte China dem König von Ryūkyū ein komplettes „Kulturbüro“, die so genannten 36 Familien (Sanjuroku Sei), die sich in dem zu Naha gehörenden Dorf Kume niederließen. Sie stammten aus der südchinesischen Provinz Fujian und ursprünglich handelte es sich bei ihnen um Schiffshandwerker und Navigatoren, die den Tributverkehr zwischen China und Ryūkyū unterstützen sollten. Später kümmerten sich die Mitglieder dieser Kommune um alle möglichen Verwaltungs-, Handels-, Kulturfragen (inklusive Technik) und Sicherheitsfragen und brachten erstmals systematisch Kenntnisse über chinesisches Quánfǎ (Kung Fu) nach Okinawa. Kume war für Ryūkyū Jahrhunderte lang das Fenster zur chinesischen Kultur.

1609 wurden das militärisch unbedarfte Königreich Ryūkyū vom Shimazu aus Satsuma, Kyūshū erobert. Alle Funktionen des Königreiches, wie der Königshof in Shuri, die 36 Familien sowie die Tributbeziehung mit China liefen jedoch weiter, was für die Entwicklung des Karate entscheidend war. Auch das Waffenverbot wurde von den Shimazu erneuert.

Auf Okinawa existierte ein einheimisches Kampfsystem, welches Te genannt wurde und anhand schriftlicher Quellen erstmals im 17. Jahrhundert nachgewiesen werden kann: Teijunsoku Oyakata (1663–1734) war Stadtoberhaupt der Stadt Nago und konfuzianischer Gelehrter. Er schrieb etwa um 1700:

Unabhängig davon, wie du dich vielleicht in der Kunst des Te auszeichnen magst, oder in deinem akademischen Streben…; nichts ist wichtiger als dein Verhalten und deine Menschlichkeit und wie du diesen im täglichen Leben folgst.

Te bedeutet wörtlich „Hand“, bedeutet hier jedoch so viel wie Kampfmethode. Im Dialekt von Okinawa wird dieser Begriff noch heute als ディイ (mit langem i) ausgesprochen. Inhaltlich kann er mit dem japanischen Jutsu verglichen werden.

Eine erste Systematisierung findet sich in dem Tōde 唐手 genannten Kampfsystem direkter kontinentaler Abstammung, welches etwa ab dem 17. Jahrhundert in zunehmendem Maße nachweisbar hauptsächlich von China aus nach Okinawa übertragen wurde.

  • Etwa 1683: der chinesische Gesandte Wanshu      lehrt in Okinawa Quánfǎ.
  • Etwa 1760: der chinesische Militärattaché Kūsankū      unterrichtet in Okinawa wenigstens einen Schüler, Chatan Yara.
  • „Tōde“ Sakugawa      Kanga lebte im 18./19. Jahrhundert. Sein überlieferter      Spitzname „Tōde“ ist ein Beweis für die Synthese des Te mit dem Quánfǎ.
  • 19. Jahrhundert: Übertragung des Bubishi      nach Okinawa beginnt; Einfluss der südchinesischen Stile des 17. bis 19.      Jahrhunderts. (Das Dokument Bubishi gilt als Beweis für die Übertragung      des chinesischen Boxens nach Okinawa. Es ist das einzig bekannte Dokument      dieser Art und diesen Umfangs, und es handelt von chinesischen Box-Stilen,      aus denen die Kata des Gōju-ryū stammten (Weißer      Kranich und Arhat-Boxen))
  • Chōjun Miyagi schrieb in seinem 1934 erschienenen      Zeitungsartikel Ein Überblick über das Karate-do: „Eine      Stilrichtung des Kungfu wurde 1828 von Fuzhou      nach Okinawa gebracht und diente als Quelle und Inspiration für das      Gōjū-ryū Karate Kempō“. Bis heute ist nicht klar, wen oder was er damit      meinte.

Tōde 唐手 kann verschiedentlich interpretiert werden. Te heißt zwar wörtlich „Hand“, beschreibt hier aber im Prinzip eine Kampfmethode. So bedeutet Tōde 唐手 so viel wie „chinesische Kampfmethode“ oder „fremdländische Kampfmethode“. (Tō ist die (chinesische) Tang-Dynastie, bedeutet aber auch einfach China oder „fremdländisch“).

Andere südostasiatische Einflüsse gelten als sehr wahrscheinlich.

Verantwortlich für die Entwicklung des späteren Karate waren die oft beamteten Funktionen innerhalb des Rangsystems des Königreichs. Die Funktionen dieser Ränge reichten vom Straßenpolizisten über Dorfvorsteher und Sicherheitspersonal für Burganlagen oder Tributschiffe bis hin zu hohen Ministern, Fürsten und Prinzen. Anhand der Titel der wichtigsten Protagonisten der okinawesischen Kampfkunst aus der Zeit des Ryūkyū-Königreiches lässt sich einwandfrei nachweisen, dass es sich um Personen von Rang handelte.

Historische Protagonisten

Gōjū-Ryū ist gleichberechtigt im „japanischen“ wie im „okinawaischen“ Karate vertreten. In den heutigen Stilen bezieht sich die Besonderheit der jeweiligen Gōjū-Ryū-Strömung häufig auf den Zeitraum, in dem die Kunst erlernt wurde, beziehungsweise auf das entsprechende Training der Meister jener Zeit (Chōjun Miyagi, Seiko Higa, etc.), die Karate unterrichteten. Die Art des Trainings, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Okinawa von Chōjun Miyagi praktiziert wurde, gelangte ab 1930 in seiner originalen Form auf die japanischen Hauptinseln und wurde dort konserviert. Auch existieren Dōjō, welche die traditionelle, von Seiko Higa gelehrte Form zum Inhalt haben.

Higaonna Kanryō (1853–1916)

Higaonna Kanryō


Studierte chinesische Kampfkünste in der Tradition des „Weißen Kranichboxens“ und entwarf die Kunst des Naha-te. Sein bedeutendster Schüler war Chōjun Miyagi. Kanryō wurde am 10. März 1853 in Nishimachi, Naha, Okinawa geboren. Als Kanryō 14 Jahre alt war, starb sein Vater. Im selben Jahr begann er sein Training im Karate mit Arakaki Seishō 新垣世宗 (1840–1920), der später in der Funktion eines Tsūji Pēchin (Übersetzer) nach China geschickt wurde. Auch Kanryō ging nach China, allerdings zum Studium der Kampfkunst. Er ging nach Fuzhou 福州 in der südchinesischen Provinz Fujian 福建省. Man sagt, dass er die Hafenstadt 1873 erreichte und fünfzehn Jahre blieb. Es ist nicht ganz klar bei wem er welchen Stil studierte; mitunter wird das Kojō-Dōjō in Fujian als Ausgangspunkt angenommen, weiterhin der Bukan (武官; Militäroffizier) Wei Shinzan (dem es wegen seines Berufes aber verboten gewesen sein soll, Privatleute zu unterrichten). Ein großer Teil von Kanryōs Lehre geht jedenfalls auf Ryūrūko zurück, einen chinesischen Meister in der Tradition des Weißen Kranichboxens.

Das chinesische System, das Kanryō von Wei Shinzan und Ryūrūko lernte, war wahrscheinlich eine Mischung aus südchinesischen Stilelementen, basierend auf dem Weißer-Kranich-Boxen und dem 5-Ahnen-Stil. (Diese wird bestätigt durch die Reise einer japanischen Gruppe unter der Leitung von Kisaki Tomoharu Mitte der 80er Jahre nach Fujian, in die Formen der chinesischen Stile mit den Gōjū-Ryū Kata wie Sanchin 三戦, Sansēru 三十六, Sūpārinpei (Pēcchurrin) 百零八 verglichen wurden.) Ein weiterer allgemeiner Begriff für die südchinesischen Boxstile jener Zeit wird als Pan Gainoon 一半硬半軟 gegeben, welches wörtlich übersetzt „halb-hart halb-weich“ bedeutet. Dazu studierte Kanryō auch Waffentechniken. (Eine interessante Angelegenheit, vor allem auch im Bezug zu Geschichte und Lehrplan des Ryūei-ryū.)

Chōjun Miyagi (1888–1953)

Chōjun Miyagi


Geboren 25. April 1888 in Higashimachi, Naha. Namensgeber des Gōjū-Ryū. Unter anderem durch Miyagis Wirken wurde das Gōjū-Ryū der erste Karate-Stil, der offiziell vom Dainippon Butokukai 大日本武徳会 1933 anerkannt und registriert wurde. Gleichzeitig war Miyagi der erste Karateka, der vom Dainippon Butokukai einen japanischen Budō-Titel im Karate-jutsu verliehen bekam, den eines Kyōshi. Nach seinem Tod gründeten seine wichtigsten Schüler eigene Gōjū-Ryū-Dōjō und Verbände. Die legitime Eigenständigkeit jedes dieser Dōjō und Verbände zeigt sich darin, dass man heute zur genaueren Spezifizierung den Dōjōnamen zusätzlich zum Stil nennt, zum Beispiel Shōdōkan, Jundōkan, Meibukan etc., bzw. den entsprechenden Verband zugrunde legt.

Technik

Beim traditionellen Gōjū-Ryū Karate werden Verteidigungs-, Angriffs- und Meidbewegungen mit allen Teilen des Körpers verbunden und mit Fuß- und Körperbewegungen (Tai Sabaki) in defensiven und offensiven Manövern im unbewaffneten Kampf eingesetzt. Charakteristisch sind die effektiven Nahkampftechniken. Gōjū-Ryū lehrt jedoch, wie übrigens jede Stilrichtung, den Kampf auf allen Distanzen bzw. über die gesamte „Ma-ai“.

Training





Yamaguchi Gōgen beim Kumite mit seinem Sohn Goshi, 1949

Das Training selbst setzt sich aus verschiedenen unterstützenden (Makiwara, Krafttraining), stiltechnischen (Kihon, Kata, Kumite) und allgemein sportlichen Übungen (Aufwärmübungen, Dehnübungen etc.) zusammen, begonnen und beendet mit Reigi 礼儀 (Höflichkeit, Anstand, Benehmen). Die erforderliche Disziplin beim Training hat auf der einen Seite einen (selbst-)disziplinierenden Effekt, auf der anderen Seite ist sie wichtige Voraussetzung für die Sicherheit beim Training mit Partnern.

  • Kihon ist die Grundschule des Karate, in der      explizite Techniken geübt und verfeinert werden.
  • Kata sind festgelegte Bewegungsabfolgen. Die      einzelnen Stile unterscheiden sich hauptsächlich durch die Anzahl und Art      der geübten Kata sowie die daraus resultierenden Stil-Prinzipien.
  • Kumite sind Kampfübungen mit Partnern. Von      festgelegten Übungen (Yakusoku-Kumite)      bis zum Freikampf ist alles möglich. Für den Freikampf, der oft Tegumi      oder Iri-kumi genannt wird, ist neben der Athletik eine gewisse      menschliche und technische Reife erforderlich, sowie ausreichende Nehmer- und Geberqualitäten.

Im Gōjū-Ryū wird auch der Atmung, die Ibuki oder Ikibuki genannt wird, besondere Aufmerksamkeit gewidmet; genauer gesagt der Koordination der Atmung mit den Bewegungen, was vor allem in den Heishu-Kata Sanchin und Tenshō vermittelt wird.

Neben den „harten“ Tritt- und Schlagtechniken, werden im Gegensatz zu anderen Karate-Stilen seit jeher auch vermeintlich „weiche“ Techniken, wie Würfe, Würgegriffe, Arm- und Beinhebel, Haltegriffe und Bodenkampf gelehrt.

Eine weitere Spezialität sind die so genannten „Klebenden Hände“ (jap.: Kaki-e), eine sehr effektive Grappling-Übung.

Prinzipien und Methoden, die im Training zum Tragen kommen, sind zum Beispiel Gamaku ガマク (Hüfteinsatz) und Kakie カキエ. Hier einige Beschreibungen:

  • Muchimi ムチミ:      Übersetzt als nachgebend, flexibel, elastisch, bedeutet dies eigentlich      „schwere, klebrige Hand“. Die Bewegungen der Hände werden dabei dennoch      fließend ausgeführt wird. Beispiel: Tenshō-Kata.
  • Chiru no Chan Chan: Dies ist eine Form der      Muskelspannung, in dem die Muskeln zwar angespannt, aber dennoch flexibel      und elastisch sind. Ermöglicht Sensibilität und daraus resultierend      angemessene Reaktion auf einen Angriff.
  • Chinkuchi Kakin チンクチカキン: oft auch einfach Chinkuchi genannt. Bezieht      sich auf die Spannung oder Stabilisation der Gelenke. Im Gegensatz zum      Muchimi sind die Gelenke des Körpers hier für den Augenblick des Aufpralls      „gesperrt“. Beispiel für ein „verlängertes“ Chinkuchi Kakin und typisch      für diesen Wortgebrauch ist das Sanchin-Kata, und so wird es auch im      Bereich des Kikōjutsu 気功術 angesiedelt, da das Sperren      der Gelenke mit der Atmung koordiniert oder sogar erst durch sie      herbeigeführt wird. – Chinkuchi チンクチ. Die      Bedeutung ist ein „zusammenschnüren“ oder „festziehen“ der Muskeln und      Gelenke in einen gesperrten Zustand. Ein anderer Ausdruck hierfür ist      Gōtaijutsu 剛体術, die Fertigkeit des starren      Körpers oder Gōtaika 剛体化, den Körper verhärten.
  • Chikara nu nujisashi: Bezieht sich auf die      langsamen, mit großer Kontrolle ausgeführten Teile des Kata. Steht im      Gegensatz zu den rein kraftvollen Bewegungen. Möglicherweise: – chikara : Kraft, Stärke. – nu = no . – nu(ku) (als      Suffix): etwas die ganze Zeit bis zum Ende durchführen. – sa(su) oder      sa(shi) : ausstrecken (die Hand);      anschwellen; oder als emphatisches Verb-Präfix.

Kata

Sanchin mit Kitae (1963)

Die Kata im Gōjū-Ryū zeichnen sich durch dynamische, kreisförmige Bewegungen und durch einen stabilen Stand aus. Die expliziten Bewegungsmuster und grundlegenden Kampftaktiken des traditionellen Karate wurden in zahlreichen Kata (festgelegte Technikabfolgen innerhalb einer bestimmten Form) überliefert. Das Kata wird daher häufig als das „Textbuch“ des Karate interpretiert. Einige dieser Kata sind nachweislich mehrere hundert Jahre alt (zum Beispiel Sanchin).

Chōjun Miyagi (1888–1953) legte 12 Kata für das Gōjū-Ryū fest. (Hinzu kommen die Taikyoku-Kata, die ihren Ursprung in Japan haben und auch in Deutschland geübt werden.) Die Kata können grob in folgende Kategorien und Typen unterteilt werden:

Taikyoku

 

 

Taikyoku-Kata des Gōjū-Ryū

Kategorie

Taikyoku   Jodan

Fukyu-Kata   (普及型)

Taikyoku   Chudan

Fukyu-Kata   (普及型)

Taikyoku   Gedan

Fukyu-Kata   (普及型)

Taikyoku Kake-Uke

Fukyu-Kata   (普及型)

Taikyoku   Joshugi

Fukyu-Kata   (普及型)

Taikyoku Mawashi-Uke

Fukyu-Kata   (普及型)

Die 12 Kata des Gōjū-Ryū

12 Kata des Gōjū-Ryū

Typus

Kategorie

Gekisai-Dai-Ichi   (撃砕第一)

Kaishu-Kata   (開手型)

Fukyu-Kata   (普及型)

Gekisai-Dai-Ni   (撃砕第二)

Kaishu-Kata   (開手型)

Fukyu-Kata   (普及型)

Sanchin   (三戰)

Haishu-Kata   (閉手型)

Kihon-Kata   (基本型)

Tenshō   (転掌)

Haishu-Kata   (閉手型)

Kihon-Kata   (基本型)

Saifā   (碎破)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Seiyunchin   (制引戰)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Sansēru   (三十六手)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Shisōchin   (四向戰)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Seisan   (十三手)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Sēpai   (十八手)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Kururunfā   (久留頓破)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Sūpārinpei   (壱百零八手)

Kaishu-Kata   (開手型)

Koryū-Kata   (古流型)

Haishu und Kaishu

„Haishu“ und „Kaishu“ sind zwei wichtige Konzepte des Gōjū-Ryū. „Hai“ bedeutet geschlossen, „Kai“ bedeutet geöffnet. Die Silbe „Shu“ bedeutet Hand. Die wörtliche Übersetzung lautet:

  • Haishu – Geschlossene Hand
  • Kaishu – Offene Hand

„Hand“ ist hier jedoch nur symbolisch zu verstehen.

Tatsächlich beschreiben diese beiden Begriffe den Spannungszustand der Muskulatur sowie die Funktion der Gelenke in der Ausführung des Kata.

  • In den Haishu-Kata wird eine gleichmäßig große      Spannung über die ganze Ausführung des Kata hindurch beibehalten, während      die Gelenke dabei eher „eingerastet“ bewegt werden. Die Atmung gehört dazu      und begleitet die ganze Bewegung. Diese Kata werden mitunter auch „isometrische“ oder „isokinetische“      Kata genannt.
  • In den Kaishu-Kata ist die entscheidende Spannung      nicht in der Bewegung als solches, sondern lediglich im Kime-Punkt.

Im Gōjū-Ryū sind deshalb üblicherweise Sanchin und Tenshō die Haishu-Kata. (Es gibt auch Beschreibungen, in denen sie beide als Kihon-Kata, oder Sanchin als Kihon und Tenshō als Haishu-Kata beschrieben werden; letzteres in Miyazato Eiichi: Okinawa Den Gōjū-Ryū Karate-dō.)

Für Chōjun Miyagi bedeutete „Haishu“ grundlegende Kata und kam daher eine besondere Bedeutung zu. [1] Durch sie erlernt man die richtige Körperhaltung und das richtige Ein- und Ausatmen. Man erlernt die Kraft harmonisch zu steigern und zu senken. Man entwickelt eine starke Physis und den starken Willen eines Kriegers. [2]

Philosophie

Die Philosophie des Gōjū-Ryū folgt der Philosophie des Karate-Dō und damit auch den 20 Regeln, die Funakoshi Gichin für das Karate aufgestellt hat („Funakoshi Gichin no Karate Do niju jo“).

Die Kata bilden nicht nur den technischen Grundriss, sondern transportierten auch die philosophischen Werte des Karate. „Karate ni sente nashi“ findet sich in den Kata wieder, die immer mit einer Defensivbewegung beginnen. Dies impliziert, dass Karate nur als Reaktion auf einen Angriff gedacht ist, niemals als unbegründete Aktion aus sich selbst heraus.

Des Weiteren ging die Überlieferung der Kata mit einer Anreicherung durch asiatische Philosophien einher (Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus), welche letztendlich eine friedlich orientierte (Gesellschafts-)Ethik formten, die sich scheinbar paradoxerweise durch das Training in dieser Kampfmethode im Menschen manifestieren soll. Die Effekte des Trainings sollen so idealerweise zu einer friedlichen und aufrichtigen Grundeinstellung sowie einem undominierbaren Geist führen.

Chōjun Miyagi beschreibt einige Vorzüge des Karate wie folgt: [2]

  1. Es ist nicht viel Platz zum Üben des Karate      notwendig.
  2. Man kann Karate alleine oder mit anderen in einer      Gruppe üben.
  3. Man braucht nicht viele Stunden, um Karate zu      üben.
  4. Man kann das Kata wählen, das für die körperliche      Physis geeignet ist und sie unabhängig vom Alter und Geschlecht üben.
  5. Man kann Karate, ohne viel Geld auszugeben, mit      einfacher Ausrüstung oder ohne sie üben.
  6. Karate ist ein wirkungsvolles Mittel zur      Förderung der Gesundheit. Es gibt viele Karateka die gesund sind und lange      leben.
  7. Als Ergebnis des Trainings von Körper und Geist      entwickelt man den Charakter und erwirbt einen unbezwingbaren Geist.

Ziel

„Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist nicht Sieg noch Niederlage – der wahre Karatekämpfer erstrebt die Vervollkommnung des Charakters.“ Dies ist der Leitspruch der Japan Karate Association. Er zeigt, dass Karate mehr als nur ein Sport oder das Üben von Techniken ist. Karate lässt sich als eine Lebensschule und als eine Lebenshilfe verstehen. Durch das Training pflegt man den guten Umgang mit anderen Menschen und lernt dabei Willensstärke, Mut, Disziplin, Selbstkritik, Toleranz, Ausdauer, Bescheidenheit und Rücksichtnahme.

Traditionelles Gōjū-Ryū Karate leistet dazu seinen Beitrag und ist als langfristige, lebenslange Übung zu verstehen.

Chōjun Miyagi war zeit seines Lebens auf der Suche nach der „Wahrheit“ des Karate. In einem Essay bemerkte er dazu: [1] „Ich nehme an, die ultimative Formel zur Wahrheit ist Dao (Tao), der Weg. Ich kann diese Maxime nicht richtig verstehen, doch manchmal fühle ich, ich kann sie verstehen. Ich denke wir haben „eine Formel und keine Formel“ zu meistern, dann können wir Karate in der Tiefe studieren und gelangen zur Wahrheit des Karate.“

Logos/Symbole

Quelle: Wikipedia


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